Erscheinungsjahr: 1999      WER 6545 2       Bestellen

Volker Staub

CD

1-3 Suarogate

Ob Gegenstände der Natur oder der Zivilisation, Baumstämme oder Metallfässer, sie wurden Volker Staub zum Klangmaterial im ursprünglichen Sinn des Wortes - so war er gleichsam immer auf Entdeckungsreise in einem Land der Klänge, baute seine eigenen Instrumente in einer entschiedenen Abkehr von Megatechnik, einer fast ökologischen Beschränkung der Mittel, eher in der Nähe zur arte povera, aber auch zu Archaischem. Das wird durch die eigene »Klang-Arbeit« mit den alltäglichen Materialien erfahrbar, viel fragmentarischer zwar, und vermittelter als durch den Import von »Original-Afrika«, dafür aber in einer heutigen und uns betreffenden artifiziellen Realität.

Der zweite wesentliche Schritt auf diesem Wege war die Adaption von traditionellen Instrumenten in seine originellen Klang-»Konkretionen«. Damit wurden diese der Kunstmusik näher gerückt, zugleich aber die traditionellen Instrumente in einen anderen, umfassenderen historischen Kontext. Bis heute lebt seine Musik aus diesem Widerspiel, das dazu anregt, die Musik neu zu bestimmen, ihre Herkunft und gerade auch ihre Künstlichkeit.

So wie sich Klänge gegenseitig durchdringen und beeinflussen, so formt in der vorliegenden Version von Suarogate Volker Staub 23 Kompositionen zu einer höher organisierten Einheit.

Ernstalbrecht Stiebler  

Volker Staub, geb. 1961 in Frankfurt am Main, studierte ab 1981 Klavier sowie Komposition bei Johannes Fritsch in Darmstadt und in Köln. Während dieser Studienjahre beschäftigte er sich intensiv mit dem Werk der Komponisten John Cage und Morton Feldman; darüber hinaus mit den Arbeiten und dem Denken von Joseph Beuys. Von 1988 bis 1990 war er Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes, 1989 wurde ihm das Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendium der Stadt Köln zuerkannt. Ein Graduiertenstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen schloß sich 1991-93 an das Studium an.

Bereits seit 1981 wird seine kompositorische Arbeit durch den Bau von Musikinstrumenten begleitet. Es entstanden Schlaginstrumente aus Holz, Fell, Metall, Stein und Glas sowie Saiteninstrumente und elektroakustische Instrumente mit diskreten oder kontinuierlichen Klangeigenschaften. Diese werden in seinen Kompositionen - teils ausschließlich, teils im Zusammenhang mit traditionellen Instrumenten, - verwendet. Darüber hinaus schrieb er zahlreiche Stücke für traditionelle Instrumente vom Solo bis zum Orchesterwerk.

Volker Staub wurde schon im Studium mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet, so unter anderem beim Forum junger Komponisten des WDR 1988 und beim Kompositionswettbewerb in Hitzacker 1992. 1995 erhielt er den Hessischen Kompositionspreis für Kammermusik. 1997 war er Stipendiat der Villa Massimo Rom. Sein Komponieren und sein Instrumentenbau wurde außerdem schon zweimal Gegenstand eines Fernsehporträts: Stromkilometer 784 über das Musiktheater "Rheinrot", West 3, 1991 und Raumklang ? Klangraum zu "Suarogate", Südwest 3, 1996.

Staub veröffentlichte Bücher zum Werk Morton Feldmans und zum experimentellen Instrumentenbau. Seine Arbeit hat ihn inzwischen in zahlreiche Länder Europas, in die USA und nach Ekuador geführt. Heute lebt er als freischaffender Komponist in der Nähe von Frankfurt am Main und hat 1999 einen dreimonatigen Aufenthalt in der Villa Aurora, Los Angeles (USA), angetreten.

http://www.volkerstaub.de/

(Stand: 1999)

CD

Suarogate (1987-98)
für Vokalquartett, Flöte, Trompete, Posaune, Percussion, Stahlsaiten und Motorsirenen

1 Teil I
2 Teil II
3 Teil III

Gundula Anders, Sopran · Consuelo Sanudo, Alt · Eric Mentzel, Tenor · Stephen Grant, Bass    
Christoph Erkens, Leitung des Vokalquartetts
Irmela Nolte, Flöte
· Tora Thorslund, Trompete · Ivo Nilsson, Posaune · Kuniko Kato, Percussion · Michael Weilacher, Percussion und Glasglocken · Jonny Axelsson, Baumstämme, Stahlsaiten und Motorsirenen · Volker Staub, Stahlsaiten, Motorsirenen und Gesamtleitung

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