Erscheinungsjahr: 2020      WER 6431 2      Bestellen

Naomi Pinnock

Lines and Spaces

CD

1-2 String Quartet no. 2

3-5 Words

6-11 Lines and Spaces

12-16 Music for Europe

Mit stark reduziertem Klangmaterial erschafft die britische Komponistin Naomi Pinnock auf dieser Porträt-CD zart-zerbrechliche, fein ausdifferenzierte Klangformationen. Der Versuch der Transformation von Unvollkommenheit in Klang ist dabei ein zentrales Schaffensmoment Pinnocks. Dirk Wieschollek erläutert dazu im Booklettext: „Die Konzentration und Verdichtung der musikalischen Gestik auf wesentliche, stets von der Möglichkeit des Nicht-Klingens umgebene Ausdrucksmomente findet sich dabei nicht selten in ein melancholisches Extrem getrieben.“ So ergibt sich im String Quartet no. 2 durch Repetitionsvarianten eines absteigenden Akkordwechsels zunächst eine expressive schwerfällige Klangbewegung. Im zweiten Satz geht diese über in resignativ melancholische Klangschleifen, die in einem fast tonlosen Zupfen am Steg enden.

Inspiration für ihre Werke bezieht Naomi Pinnock oftmals aus wesensverwandten Formzusammenhängen der Literatur und Malerei. So wurde das dem Porträt den Titel gebende Klaviersolo Lines and Spaces angeregt durch die feinen Farb- und Linien-Nuancen von Agnes Martins minimalistischen Bild-Quadraten. Durch die Reduzierung auf horizontal gedachte, oft singuläre Linien und die vertikalen, akkordisch konzipierten Zwischenräume entstehen in der Komposition vielfältige Differenzierungen und Zusammenhänge.

In Music for Europe setzt sich Naomi Pinnock – allerdings nicht politisch motiviert – mit dem EU-Ausstieg von Großbritannien auseinander: „Ich hatte bereits mit den Skizzen zu der Komposition begonnen, als die Entscheidung des Vereinigten Königreichs fiel, die EU zu verlassen. Das Ergebnis des Referendums schockierte mich zutiefst. […] Auch wenn ich der Meinung bin, man sollte sich beim Komponieren allein auf die Kunst konzentrieren und nicht sich selbst zu sehr in den Mittelpunkt drängen – die Zerbrechlichkeit, die die Musik ausstrahlt, ist alles andere als aufgesetzt. Sie hat sich ihren Weg in das Stück ganz von selbst gebahnt.“

Naomi Pinnock wurde 1979 geboren und wuchs in der Kleinstadt Cleckheaton in West Yorkshire auf. Sie studierte Komposition bei Harrison Birtwistle und Brian Elias in London sowie bei Wolfgang Rihm in Karlsruhe. 
Ihre Musik wurde von Formationen wie dem BBC Scottish Symphony Orchestra, Ensemble Adapter, Quatuor Bozzini, Arditti Quartet, KNM Berlin, EXAUDI, London Sinfonietta, Neue Vocalsolisten Stuttgart and Schola Heidelberg gespielt. Zu den Aufführungsorten ihrer Werke zählen das Huddersfield Contemporary Music Festival, Tectonics Glasgow, Ultraschall Berlin, die Wittener Tage für neue Kammermusik, das ECLAT Festival Stuttgart, der Heidelberger Frühling, das rainy days Festival Luxembourg, das Festival Musica in Straßburg und das Spitalfields Festival London.     
Von 2015–16 wurde sie mit einem Stipendium der Cité internationale des arts in Paris ausgezeichnet und 2017 mit dem PRS Foundation Composers’ Fund Award.

www.naomipinnock.co.uk

(Stand: 2020)

 

 

 

 

CD

String Quartet no. 2 (2011–12)                                               
für Streichquartett
1 I retrace your steps
2 II

Quatuor Bozzini:  Clemens Merkel, Violine · Alissa Cheung, Violine ·  Stéphanie Bozzini, Viola · Isabelle Bozzini, Violoncello

Words (2010–11)
für Bariton und Ensemble
3 I why… (a night song)
4 II solve a night
5 III again nothing why (on forgetting)

Omar Ebrahim, Bariton
London Sinfonietta: Mark van de Weil, (Bass-) Klarinette · Andrew Webster, (Bass-) Klarinette · Thomas Gould, Violine · Hilaryjane Parker, Violine · Eniko Magyar, Viola ·  Lionel Handy, Violoncello · Markus van Horn, Kontrabass · Helen Tunstall, Harfe · David Hockings, Schlagwerk · Chris Bradley, Cimbalom · Ian Watson, Akkordeon
Leitung: Beat Furrer

Lines and Spaces (2015)
für Klavier
6 Space I
7 Line I
8 Space II On a Clear Day
9 Line II
10 Space III Song
11 Line III

Richard Uttley, Klavier


Music for Europe (2016)
für Flöte, Klarinette, Schlagwerk, Klavier und Harfe                  
12 I transparent lament
13 II porous with loss (i)
14 III
15 IV porous with loss (ii)
16 V rising, rising

Ensemble Adapter: Kristjana Helgadóttir, Flöte · Ingólfur Vilhjálmsson, Klarinette · Matthias Engler, Schlagwerk · Antonis Anissegos, Klavier · Gunnhildur Einarsdóttir, Harfe

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