Erscheinungsjahr: 2009      WER 6575 2       Bestellen

Martin Schüttler

Pelze und Restposten

CD

1 Entnahme 1

2 linked trips

3 "Das Mitleid ist die Geißel der Menschheit, Sheriff."

4 Augenbildermusik

5 Entnahme 2

6 taped & low-bit

7 Entnahme 3

8 Gier

Die Rolle des Komponisten besteht für mich darin, das, was uns diesseitig umgibt, zu kommentieren." So das Credo des 1974 in Kassel geborenen und heute in Berlin lebenden Komponisten Martin Schüttler. Diesseitige Umgebung meint die Wirklichkeit der Straße, das ganz normale Leben, das, was über den individuellen Tellerrand des Privatkosmos hinausreicht, das, womit wir tagtäglich konfrontiert sind. Diesseitigkeit ist für Schüttler, der bei Nicolaus A. Huber an der Folkwang Hochschule in Essen Komposition studiert hat, das Gegenbild zur Abseitigkeit, zur von der Außenwelt abgeschotteten (Künstler-)Existenz. Die Ergebnisse seiner ästhetischen Selbstverantwortung und Verortung, seiner Situationsanalysen mit den Mitteln des produzierenden Musikers sind kraftvoll und energetisch. Sie greifen mit vollen Händen und beißen mit bleckenden Zähnen hinein in die real existierenden Zustände, sie sind unbequem und mithin ätzend. Sie haben keine Berührungsängste. Schmutz, Müll, Trash, Billigkeit, Low-Tech, Schrott, Kitsch und Ramsch - all dies, das Profanste des Profanen, ist Material von Schüttlers Musik, seinen schroffen, harten Kompositionen, die auch sanfte, milde, linde, geradezu elegante Passagen kennen. Irritationen. Störungen. Er- und Aufklärungsversuche. Unvereinbares steht unvereint nebeneinander, übereinander. Die CD "Pelze & Restposten", Martin Schüttlers erste Porträt-CD, ein dialektisches Wortspiel über Luxusartikel und Massenware, über Wert und Unwert, über Qualität und Quantität und nicht frei von Selbstironie, präsentiert ausgewählte Kompositionen aus den Jahren 1998 bis 2009.

Stefan Fricke

Martin Schüttler (*1974) studierte Komposition bei Nicolaus A. Huber und Ludger Brümmer an der Folkwang Hochschule in Essen. Zwischen 2000 und 2004 war er Gastkünstler am ZKM|Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe. Seit 2001 unterrichtet er Theorie und Komposition an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt, seit 2004 auch an der Philipps-Universität Marburg. An der Kunsthochschule Berlin-Weißensee war Schüttler 2004 als Gastdozent für Musik im intermedialen Kontext tätig. 2005 war er Mitinitiator der Plattform für aktuelle Musik "stock11.de". Zusammen mit Mark Lorenz Kysela gründete er 2006 die Laptop-Formation "taste", mit der er seither regelmäßig als Performer in Erscheinung tritt. Begleitend zur Documenta 12 organisierte er 2007 die Veranstaltungsreihe "stands 'n strikes" für akustische Kunst in Kassel.

Schüttlers Musik wurde von namhaften Interpreten und Ensembles realisiert, u.a. vom Trio Accanto, dem Ensemble Modern, der musikFabrik und dem hr-Sinfonieorchester. Darüber hinaus besteht eine ständige Kooperation mit herausragenden Interpreten seiner Generation. Sein Werk umfasst Stücke für solistische und kammermusikalische Besetzungen, für Chor, Orchester und Live-Elektronik sowie die Produktion von Tonbandmusik, Klanginstallationen, Medienkunst, Theater-, Film- und Tanzmusiken.

Für seine Arbeiten wurde Schüttler mehrfach mit international renommierten Preisen ausgezeichnet, darunter der Kranichsteiner Kompositionspreis der Darmstädter Ferienkurse 2002. Kompositionsaufträge erhielt er u. a. vom Takefu Festival (Japan), von den Darmstädter Ferienkursen, den Donaueschinger Musiktagen, dem Tanztheater International Hannover, vom Hessischen Rundfunk und vom Deutschen Musikrat. Theater- bzw. Tanzproduktionen realisierte er am Kaai-Theater Brüssel, am Staatstheater Stuttgart und am Theatre Mohammed V in Rabat/Marokko. Musik von Martin Schüttler sowie ausführliche Interviews wurden beim HR, SWR, WDR, dem Radio Suisse Romande und im Deutschlandfunk ausgestrahlt.

Martin Schüttler lebt in Berlin.

(Stand: 2009)

CD

1 Entnahme 1
taste

2 linked trips (2001)
für verstärktes Ensemble
musikFabrik (Leitung: James Wood)

3 "Das Mitleid ist die Geißel der Menschheit, Sheriff." (2008)
für 4-Kanal-Elektronik und Ghettoblaster
(Stereo-Fassung)

4 Augenbildermusik (1998/2000)
für Akkordeon und Zuspielungen
Eva Zöllner Akkordeon

5 Entnahme 2
taste

6 taped & low-bit (2002)
für präparierten Countertenor und Synthesizer
Daniel Gloger Countertenor
Sebastian Berweck Klavier

7 Entnahme 3
 taste

8 Gier (2007/09)
für Oboe, Schlagzeug, Klavier, Kontrabass und Live-Elektronik
suono mobile (Leitung: Christof M Löser)

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