Erscheinungsjahr: 2006        WER 6566 2      Bestellen

Jens Joneleit

CD

1-5 Le tout, le rien

Zupacken und loslassen, die Willenskraft anspannen - und aufgeben: Der Titel "Le tout, le rien" stellt antithetisch nebeneinander, was unvereinbar scheint. Aber gerade durch diese Widersprüchlichkeit definiert Jens Joneleit (*1968) das Spannungsfeld, in dem sich sein monolithisches Werk - ein Zyklus für 27 Solisten - bewegt. Erwartungsvoll könnte man sich im Augenblick zwischen dem Lesen des Titels und dem Beginn der Musik einen weiten Raum vorstellen, mit einer freien Konstellation potenzieller Klänge. Wie verhalten sie sich zueinander? Wollen sie zu einer Gesamtheit verschmelzen? Oder driften sie, sobald sie angestoßen werden, ins Nichts auseinander? Und was geschieht, wenn womöglich beide Prozesse ineinander greifen und sich bekämpfen?

Bestimmend für "Le tout, le rien" ist die Beharrlichkeit einer musikalischen Artikulation in Frageform, die sich nicht unterbrechen lassen will. Der Versuch, stets in Anfängen zu denken, stößt in Grenzbereiche der Darstellung und Wahrnehmung vor. Das Zeitgefühl wird durch extreme Tempi auf die Probe gestellt. Permanente Kontraste prägen das Geschehen: schroffe Antithesen, ruckartige Wechsel zwischen verschiedenen Zonen des Denkens. Spannungen und Brüche werden nicht ausgeglichen, sondern betont.

"Le tout, le rien" entstand zum 25-jährigen Bestehen des Ensemble Modern und wurde im Oktober 2005 in Dresden uraufgeführt.

Michael Herrschel

1968         Am 17. September in Offenbach am Main geboren
1990Übersiedlung in die USA. Studium des Bachelor of Fine Arts und des Master of Fine Arts in Malerei
ab 1991Studium beim Bartók-Schüler Lewis Hamvas (Yankton/South Dakota), bei Robert Marek und Stephen Yarbrough (Vermillion/South Dakota)
ab 1994Student der Meisterklasse des Stefan-Wolpe-Schülers Joel Naumann (University of Wisconsin, Madison).
1997Seit dem Abschluss als Master of Fine Arts arbeitet Jens Joneleit als freischaffender Komponist. Er lebt heute in Nieder-Roden bei Frankfurt am Main. Keiner Schule zuzuordnen, präsentiert Joneleits eigenwilliges, eruptives Schaffen in jedem Stück eine radikal individuelle Grundidee und Sprachform. Dabei gilt sein Interesse besonders größeren Formaten wie Musiktheater und Orchesterwerken, aber auch Kammermusik, Film und Hörspiel.
1997-2004Auftragswerke von kleineren und mittleren Organisationen in den USA und Deutschland
2000Uraufführung durch das Moskauer Sinfonieorchester
 Leitung: Aleksej Kornienko
seit 2003Zusammenarbeit mit Jazz-Legende Roscoe Mitchell (Art Ensemble of Chicago)
2004Rückkehr nach Deutschland - Uraufführung durch das
 hr-Sinfonieorchester - Leitung: Lucas Vis
2005Erste Uraufführung durch das Ensemble Modern - Leitung: Franck Ollu
 Kompositionsaufträge der BHF-Bank-Stiftung für die "Frankfurter Positionen", vom SWR für ein Orchesterwerk, von "Musik der Jahrhunderte" Stuttgart für Eclat 2007 für ein Musiktheaterwerk mit den Neuen Vocalsolisten Stuttgart und dem Ensemble Modern
2006Eine weitere Uraufführung durch das Ensemble Modern - Leitung: Sian Edwards
 Kompositionsaufträge der Münchener Biennale in Koproduktion mit der Oper Frankfurt für ein weiteres Musiktheaterwerk für 2008, vom Augsburger Mozartfest & der Deutschen Mozart Gesellschaft, Auftragskomposition des Jahres 2006 der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
 Uraufführungen in München, Augsburg und in Stuttgart durch das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR - Leitung: Peter Hirsch
  
 (Stand: 2006)

CD

Le tout, le rien (2003/04)
für Ensemble

1 chant sombre, ébranlé

2 passant auprès du feu

3... des autres espaces ...

4 un inverte rivage au delà de tout chant

5 apogée

Ensemble Modern
Leitung: Franck Ollu

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