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Gerardo Scheige
Sina Miranda

Erscheinungsjahr: 2000                   WER 6543 2  Bestellen

Moritz Eggert

Song der Sängerin

Bad Attitude 

Außer Atem 

Number Nine I-III 

Skelter

Hibernalische Gesänge  

Interpreten: u.a. Simone Schneider Sopran • Wolfgang Wirsching Bariton • Bayerisches Staatsorchester (Leitung: Peter Hirsch) • Sebastian Hess Cello • Moritz Eggert Klavier • Philharmonisches Orchester der Stadt Nürnberg (Leitung: Christian Reuter) • Art Core Sax Quartett • Hibernalia Ensemble (Leitung: Rupert Huber)


Zur Musik

 

Meistens ist es schwierig, Vertreter der jüngeren Komponistengeneration stilistisch einzuordnen, was mittlerweile eher als Stärke denn als Symptom einer verwerflichen, postmodernen "Neuen Unübersichtlichkeit" gesehen wird. Ihre Ästhetik ist meist anti-ideologisch, auch wenn Vorbilder existieren, ihre Kompositionstechnik nicht schulmäßig fixiert, auch wenn Einflüsse gelten, und ihr Verhältnis zur unmittelbaren Vorgängergeneration unverkrampft, ja unbelastet im direkten Wortsinn: ohne Last durch die Avantgarde oder die Tradition.

In diesem Sinn muss das Werk Moritz Eggerts gesehen und beachtet werden, der nicht nur als Komponist, sondern ebenso als exzeptioneller Pianist und Festivalleiter innerhalb der Szene der Neuen Musik von sich reden machte. Mit der Vielseitigkeit korrespondiert der freie und unkonventionelle Blick auf die Musik als Kunst des Klingens und Hörens.

Dass Musik kein abstraktes Klangspiel ist, sondern sprechen soll, Empfindungen auslösen und geistige Welten repräsentieren, hat sich Eggert zu eigen gemacht: Seine Musik zeigt tiefen Ernst neben Humor und spielerischer Virtuosität, insistierendes Beharren neben charakterlicher Vielfalt, strukturelles Gewicht und leichten Tonfall. Eggerts Musik entfaltet sich unterhaltsam und geistreich zugleich, immer professionell, mit Feinheit und Sorgfalt, selbst bei deutlichen Anknüpfungspunkten nie epigonal, sondern immer mit eigenem Tonfall.

Die Mittel, Techniken und das musikalische Material sind dabei keineswegs exklusiv, sie reichen von atonalen Texturen über funktionsfrei-tonale bis zu häufigen Klang- und Rhythmusostinati. Wenn es so etwas wie eine gelingende "Postmoderne" jenseits der längst schief gewordenen Opposition Avantgarde versus Konvention geben sollte, so muss das Werk Eggerts als wesentlicher Hoffnungsträger dieser überaus interessanten Entwicklung gesehen werden.

Die CD bietet Beispiele von Eggerts Kompositionen, die das ganze Feld von Kammermusik bis Oper ausfüllen: "Song der Sängerin" aus der Oper "Helle Nächte", "Bad Attitude" für Violoncello und Klavier, "Außer Atem" für Blockflöte, "Number Nine" für Orchester, "Skelter" für Saxofonquartett und das Vokalquartett "Hibernalische Gesänge". Meisterhaft wiedergegeben werden diese Werke vom Bayerischen Staatsorchester unter Leitung von Peter Hirsch, dem Philharmonischen Orchester der Stadt Nürnberg unter Leitung von Christian Reuter, dem Hibernalia Ensemble unter Leitung von Rupert Huber, dem Art Core Sax Quartet und Simone Schneider (Sopran), Wolfgang Wirsching (Bariton), Sebastian Hess (Violoncello), Julia Whybrow (diverse Flöten) und dem Komponisten am Klavier (die virtuos-spritzige Interpretation seiner Komposition "Hämmerklavier", die ebenfalls bei WERGO erschienen ist, klingt sicher noch vielen Lesern im Ohr!).


Programm der CD

1 Song der Sängerin 05:20 anhören
aus der Oper »Helle Nächte« (1995?96)
Text von Helmut Krausser
Simone Schneider, Sopran - Wolfgang Wirsching, Bariton
Bayerisches Staatsorchester - Ltg. Peter Hirsch
Bad Attitude 12:09
für Cello und Klavier (1995)
2 I Bad Vibes 04:26 anhören
3 II Bad Taste 03:24 anhören
4 III Bad Attitude 04:19 anhören
Sebastian Hess, Cello - Moritz Eggert, Klavier
5 Außer Atem 06:38 anhören
für Blockflöte (1995)
Julia Whybrow, Sopran-Blockflöte/Alt-Blockflöte/Renaissance-Altflöte
Number Nine I-III 25:34
für Orchester (1998)
6 I Incommunicado 04:28 anhören
7 II Melodie 1.0 04:49 anhören
8 III Millenium Dance 16:16 anhören
Philharmonisches Orchester der Stadt Nürnberg
Ltg. Christian Reuter
9 Skelter 08:33 anhören
für Saxophonquartett (1997)
Art Core Sax Quartett:
Hermann Rid, Altsaxophon 1 - Alexander Reiners, Altsaxophon 2
Christoph Kirschke, Baritonsaxophon 1 - Udo Schmid, Baritonsaxophon 2
10 Hibernalische Gesänge 16:21 anhören
Vokalquartett (1987)
Hibernalia Ensemble: Friederike Wagner, Sopran - Silvia Fichtl, Alt
Rainer Trost, Tenor - Markus Hollop, Baß - Ltg. Rupert Huber

Lebenslauf

1965 geboren in Heidelberg
1973 erster Klavierunterricht
1975/85 Studium am Dr. Hochs Konservatorium, Frankfurt am Main (Klavierunterricht bei Wolfgang Wagenhäuser, Kompositionsunterricht bei Claus Kühnl)
seit 1976 regelmäßiges Konzertieren als Pianist - solistisch und in Ensembles
1980/82 erste Kompositionen, u.a. auch für Film und Theater; Auftritte als Jazz- und Rockmusiker
1984 Abitur; erste Aufführungen »ernster« Werke
1985/86 Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Frankfurt am Main (Klavierstudium bei Leonard Hokanson, Besuch von Kompositionskolloquien bei Hans-Ulrich Engelmann)
1986 Studium an der Hochschule für Musik, München (Komposition bei Wilhelm Killmayer)
1988 Aufführung des ersten Musiktheaterwerkes »Das Mahl des Herrn Orlong«
1990 Kompositionsauftrag von Hans Werner Henze für die 2. Münchener Biennale des Internationalen Musiktheaters; Kompositionsdiplom »mit Auszeichung« Besuch der Meisterklasse (bei Wilhelm Killmayer und Hans-Jürgen von Bose); Fortsetzung des Klavierstudiums an der Frankfurter Musikhochschule bei Raymund Havenith
1991 Gründung und künstlerische Leitung des A*DEvantgarde Festivals für neue Musik junger Komponisten (zusammen mit Sandeep Bhagwati)
1992 Postgraduiertenstudium an der Guildhall School for Music and Drama, London (Komposition bei Robert Saxton)
1993 Auftritte als Solist mit den Münchener Philharmonikern; Studium in Tanglewood, U.S.A. (mit Oliver Knussen und Alexander Goehr)
1994 Meisterklassendiplom
1994/95 halbjähriger Parisaufenthalt in der Cité Internationale des Arts
1995 Gast im Deutschen Studienzentrum Venedig
1996 Beginn eines einjährigen Aufenthaltes in der Villa Massimo, Rom
Preise und Auszeichnungen
1988      Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes
1989 Preisträger beim Internationalen Gaudeamus Wettbewerb für Interpreten zeitgenössischer Musik, Rotterdam; Stipendiat der Mozart-Stiftung von 1838
1991 Postgraduiertenstipendium für die Guildhall School for Music and Drama, London
1992 Stipendium für Musik der Landeshauptstadt München; Einladung ins Deutsche Studienzentrum Venedig
1993 Postgraduiertenstipendium der Hochschule für Musik, München (Förderstipendium der Ernst-von-Siemens-Stiftung für das A*DEvantgarde-Festival); Einladung nach Tanglewood als »fellow in Composition«; mit »Seraphim« Finalist beim Internationalen Gaudeamus Wettbewerb für Komposition; Villa Massimo-Stipendium
1994 Einladung in die Cité Internationale des Arts, Paris; mit »Vexations« Finalist beim Internationalen Gaudeamus Wettbewerb für Komposition; Mit »Seraphim« Finalist beim Internationalen Kompositions-Wettbewerb für Posaune
1995 Kompositionspreis der Salzburger Osterfestspiele (für »Hämmerklavier«); 2. Preis beim Kompositionswettbewerb der Landeshauptstadt Stuttgart (für »Bad Attitude« und »Adagio«)
1996 Schneider-Schott-Preis; besondere Auszeichnung für »Hämmerklavier VI« beim Klavierkompositionswettbewerb Ennio Porrino, Italien; 1. Preis »Ad Referendum«, Kompositionswettbewerb der Societé de musique contemporaine du Quebec, Montréal (für »Bad Attitude«); Auswahl für die Edition Zeitgenössische Musik des Deutschen Musikrates
(Stand: 2000)

Werkliste

(Auswahl)
1984 Magische Tänze und Rituale
für Cello solo
1985/86 Die Zwölf Schläge der Sonnenuhr
für Kammerorchester
1985/86 Der Sternenhund
für Klavier und Orchester
1987 Hibernalische Gesänge
Vokalquartett
1988 Das Mahl des Herrn Orlong
Musiktheater für Sänger, Schauspieler und Orchester
1988 All
für kleines Orchester
1988 Verlorene Gesänge
für 12 Stimmen in freier Besetzung
1989 Niemandslandhymne
für großes Orchester
1990 Paul & Virginie
Musiktheater für Puppenspieler und Ensemble
1990 Trio
für Klaviertrio
1990/91 Ein Haus mit sieben Zimmern
für Cello und Klavier
1991 Celephais
für 12stimmigen Chor
1991 Der Rabe Nimmermehr
Ouvertüre, für Kammerorchester
1992 Seraphim
für Posaunenquartett
1992 Magische Tänze und Rituale
Fassung für Bratsche
1992 Lunu
Oper für Sänger, Schauspieler und Orchester
1992/93 Kleine Fluchten
für Streichquartett
1993 Im Kasten
für Tripeltrompete, Fassung für drei Trompeten
1993 Vexations
für Kammerorchester
1993 Consolations
für Bratsche solo
1993/94 Sanctus
für Posaune und Orgel
1993?95 Hämmerklavier
für Klavier solo:
I Ins Freie
II Über die ersten vier Töne von Lulu
III One Man Band
IV Zwei Miniaturen
V Fallstudie
VI Variationen über Teba'Ini Leh
VII Geheimes Verlangen
VIII Jerusalem
IX Underground
X Mouth Organ
1994 Adagio (an answered question)
für Großes Streicherensemble
1994 Hibernalische Gesänge
Fassung für Männerstimmen
1995 Bad Attitude
für Cello und Klavier
1995/96 Helle Nächte
Oper nach Knut Hamsuns »Mysterien« und den »Geschichten aus Tausendundeiner Nacht« Libretto: Helmut Krausser (i.A.)
1996 Song
für Septett und Sopran (aus der Oper »Helle Nächte«)
1996 Die Engel/Die Zeichen/Die Reise
1996 Zwischenspiele
aus »Helle Nächte« für mittelgroßes Orchester
(Stand: 2000)