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Sina Miranda

Erscheinungsjahr: 1994                         WER 6526 2 Bestellen

Joachim Krebs



2. Streichquartett - Quartettomanie

RHIZOM II

Offene Ringe



Interpreten:

Brahms-Quartett • Robyn Schulkowsky Schlagzeug • Junges Philharmonisches Orchester Stuttgart (Leitung: Manfred Schreiner)



Zur Musik

 

In einem Interview aus dem Jahre 1981 hat Krebs sich unmissverständlich zu den damaligen westdeutschen Tendenzen bekannt, auch zur so genannten "Neuen Einfachheit".

Dabei ging es ihm weniger um Konzessionen an ein breitestes Publikum als um die Anknüpfung an frühere, womöglich verständlichere Traditionen der Neuen Musik, etwa bei Alban Berg oder beim frühen Webern: Hier ist eine 'Sprache', die ... heute noch verständlich ist und die heute wieder individuell gestaltet werden kann. In diesem Sinne kennzeichnet Krebs auch seine eigene Position: "Es ist ein Ausdruckswille da, der sich nur von einer 'Normalposition' gesehen in Extremen abspielt, für mich aber nicht extrem ist."

An anderer Stelle äußert Krebs sich noch prononcierter: "Darum geht es mir: Extrempositionen zu leben und davon auch Ausdruck zu geben. Das ist eminent politisch. Der Mittelweg ist der Tod. Mittelmäßiges Leben gibt es für mich nicht, und deshalb kann es sich nicht ausdrücken in meiner Musik."

So ergibt sich "Neue Einfachheit" in einem genauer eingegrenzten Sinne: Nicht "Neue Einfachheit" in dem Sinne, dass es einfacher wird zu komponieren oder zu interpretieren, sondern für den Zuhörer leichter wird die Musik für sich nachzuvollziehen.

In den frühen siebziger Jahren spielten für Joachim Krebs Rockmusik und Elektronische Musik eine wichtigere Rolle als die Traditionen und Aufführungspraktiken der "Ernsten Musik". Seine Hinwendung zum Streichquartett in den späten siebziger Jahren markiert deswegen in seiner Entwicklung einen wichtigen Wendepunkt, manifestiert sie doch die Umorientierung zur exakt im Voraus notierten Musik - [...] in direkt verständlicher, ausdrucksintensiver Sprache.

Rudolf Frisius


Programm der CD

1      2. Streichquartett - Quartettomanie (1979/80) 24:30 anhören
Brahms-Quartett:
Uwe Martin Haiberg, Violine - Günter Marx, Violine
Reiner Johannes Kimstedt, Viola - Dieter Göltl, Violoncello
2 RHIZOM II 26:38 anhören
für 6 Schlagzeuger (1982)
Robyn Schulkowsky, Schlagzeug
3 Offene Ringe 20:18 anhören
Klangskulptur für Orchester (1989)
Junges Philharmonisches Orchester Stuttgart
Ltg. Manfred Schreiner

Lebenslauf

 

Der Komponist Joachim Krebs, Jahrgang 1952, stammt aus Karlsruhe. Seit 1960 erhielt er Klavierunterricht. Von 1 968 bis 1 978 war er Mitglied der Multi-Media-Rock-Musiktheatergruppe Checkpoint Charlie als Komponist und Interpret (Keyboards). Von 1970 bis 1976 studierte er Klavier an der Musikhochschule Karlsruhe. In Karlsruhe arbeitete er auch im Studio für Elektronische Musik der Universität (von 1973 bis 1978) und studierte Komposition bei Eugen Werner Veite (von 1978 bis 1984). Von 1980 bis 1985 war er Mitglied der Folk-Jazz-Rock-Musikgruppe Sohra. 1983 absolvierte er Studienaufenthalte in Indien (Bombay) und in den USA (New York, Washington, San Francisco). Seit 1983 ist er als Lehrbeauftragter an der Musikhochschule Karlsruhe tätig (mit den Arbeitsgebieten zunächst Analyse und Instrumentation, später Musiktheorie und Freie Improvisation).

Preise und Stipendien erhielt Krebs u. a von folgenden Institutionen: Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt, Förderungsgemeinschaft der Deutschen Kunst, Internationale Gaudeamus Musikwoche, Heinrich-Strobel-Stiftung des Südwestfunks, Jürgen Ponto-Stiftung (2. Preis für das II. Streichquartett), Stadt Bonn (Beethovenpreis), Villa Massimo.

Was Krebs über die Arbeit in der Musikgruppe Sohra berichtet, lässt sich auch als Grundtendenz seiner eigenen Arbeit bezeichnen: Die unterschiedlichsten Ausdrucksformen von Musik wie z. B. Rock, Jazz, Folk, New Wave, Punk sowie europäisch klassische, romantische Musiktradition, Neue Musik, Minimal Music und außereuropäische Musik, Improvisation und Elektronische Musik werden bei der Arbeit in dieser

Gruppe nicht zu irgendwelchen, ihre jeweils eigene Identität zerstörenden, Pseudosynthesen zusammengepresst, sondern frei-assoziativ, gleichberechtigt ihr Eigenleben weiterführend nebeneinander entwickelt, miteinander vernetzt oder auch sich blockartig gegenübergestellt.

(Stand: 1994)


Werkliste

(Auswahl)
1968-78 Musiken und Lieder
für Sprecher und Rockgruppe über verschiedene Texte (z. B. Kupferberg, Ginsberg, Bukowski, Neruda, Borchert, Brinkmann u.a.)
1971 Scheisse
Rockoperette
1972 Notwehr
Rockoper
1973 Körperreaktionen
Elektronische Musik Nr. 1
1974 Erklärung einiger Dinge
für Synthesizer, Alt und Sprechstimme (Text: P. Neruda)
1976 Elektronische Musik Nr. 2
1977 Traum
für Schauspieler und Tonband
1977/78 Blutsturz
Rockrevue
1978 Streichquartett Nr. 1
1978 Ein Tagebuch
Musik für Synthesizer
1979/80 Musik für kleines Orchester
1979/80 Streichquartett Nr. 2 - Quartettomanie
1979/80 "...tief Unten - traumversunken..."
Monolog für Bassklarinette und Streichquartett
1980 Bläserquintett Nr. 1
1980-83 Brennend erstarrte Augenblicke
Triptychon Epitaph für Orchester
1. "...in memoriam Rudi Dutschke..."
2. "In Gedanken an den sterbenden Wald"
3. "...in memoriam Rainer Werner Fassbinder..."
1981 Traumkraut
Musik für Alt, Bariton und 15 Instrumentalisten nach Texten von Ivan Goll
1981 Rhizom l
Version l: Bassklarinette und Tonband
Version II: 9 Bassklarinetten
1982 Klangsplitter
Musik für vier Solobratschen
1982 Rhizom II
für 6 Schlagzeuger
1983 Streichquintett Nr. 1
1983 Rhizom III
für 3 gleiche Instrumente ad lib
1984 Streichtrio Nr. 1
1984 Duo
für Schlagzeug und Klavier
Prolog/Epilog
1985 Slow-Mobile
1985 ?...zusammenfließend singen wir die Gegenwart..."
Musik für 2 Klarinettisten
1985 Musik für Solo-Kontrabass und 8 Instrumentalisten
1985 Zwischenzonen
Elektronische Skizzen
1986 Musik für Akkordeon
1986 Duo
für 2 Klaviere
1987 Cello Lines
Musik für Violoncello Solo
1987 Duo
für Violoncello und Akkordeon
1987 Electronic Loops
1988 Blechbläserquintett Nr. 1
für 2 Trompeten, Horn und 2 Posaunen
1988 Quartett
für Flöte/Piccoloflöte, Violine, Klarinette/Bassklarinette und Violoncello
1988 Electronic Mandala
Musik-Bild-Tanz-Projekt
1989 ?(und langsam schnitt ich mir meine Zeit aus Stille zusammen)"
Skizze über Texte von R.D. Brinkmann
für 2 Sprecher und 13 Instrumentalisten
1989 Coro dei Discepoli dal ?Faust" di Goethe
per coro e orchestra
1989 Offene Ringe
Klangskulptur für Orchester
1990 ?...Rufer - auf Plateau..."
Musik für Klarinette, Bassetthorn und Bassklarinette
1990/91 Zwischenzonen
Zeichen - Szenen - Zustände für zwei Tänzerinnen, Video, Sprecher, Sänger,
Klarinettenduo, Celloduo und Sampleklänge
1991 Doubles and Echoes
für 11 Instrumentalisten und Tonband
1991 Rhizom II
Version II für Schlagzeug und Tonband
1992 Streichquartett Nr. 3
1993 Alien lines and fields
für Bassklarinette
(Stand: 1994)