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Erscheinungsjahr: 2006                       WER 6566 2 Bestellen

Jens Joneleit



Le tout, le rien

 



Interpreten:

Ensemble Modern (Leitung: Franck Ollu)









Zur Musik

 

Zupacken und loslassen, die Willenskraft anspannen - und aufgeben: Der Titel "Le tout, le rien" stellt antithetisch nebeneinander, was unvereinbar scheint. Aber gerade durch diese Widersprüchlichkeit definiert Jens Joneleit (*1968) das Spannungsfeld, in dem sich sein monolithisches Werk - ein Zyklus für 27 Solisten - bewegt. Erwartungsvoll könnte man sich im Augenblick zwischen dem Lesen des Titels und dem Beginn der Musik einen weiten Raum vorstellen, mit einer freien Konstellation potenzieller Klänge. Wie verhalten sie sich zueinander? Wollen sie zu einer Gesamtheit verschmelzen? Oder driften sie, sobald sie angestoßen werden, ins Nichts auseinander? Und was geschieht, wenn womöglich beide Prozesse ineinander greifen und sich bekämpfen?

Bestimmend für "Le tout, le rien" ist die Beharrlichkeit einer musikalischen Artikulation in Frageform, die sich nicht unterbrechen lassen will. Der Versuch, stets in Anfängen zu denken, stößt in Grenzbereiche der Darstellung und Wahrnehmung vor. Das Zeitgefühl wird durch extreme Tempi auf die Probe gestellt. Permanente Kontraste prägen das Geschehen: schroffe Antithesen, ruckartige Wechsel zwischen verschiedenen Zonen des Denkens. Spannungen und Brüche werden nicht ausgeglichen, sondern betont.

"Le tout, le rien" entstand zum 25-jährigen Bestehen des Ensemble Modern und wurde im Oktober 2005 in Dresden uraufgeführt.

Michael Herrschel


Programm der CD

Le tout, le rien 65:53
für Ensemble (2003/04)
1 chant sombre, ébranlé 15:06
2 passant auprès du feu 8:13
3 ... des autres espaces ... 25:34
4 un inverte rivage au delà de tout chant 9:14
5 apogée 7:43
Ensemble Modern
Leitung: Franck Ollu

Lebenslauf

1968          Am 17. September in Offenbach am Main geboren
1986 erste Kompositionsversuche
ab 1987-90 Schlagzeuger in diversen Rock- bzw. Jazz-Formationen im Rhein-Main Gebiet
1990 Übersiedlung in die USA. Studium des Bachelor of Fine Arts und des Master of Fine Arts in Malerei
ab 1991 Studium beim Bartók-Schüler Lewis Hamvas (Yankton/South Dakota), bei Robert Marek und Stephen Yarbrough (Vermillion/South Dakota)
ab 1994 Student der Meisterklasse des Stefan-Wolpe-Schülers Joel Naumann (University of Wisconsin, Madison).
1997 Seit dem Abschluss als Master of Fine Arts arbeitet Jens Joneleit als freischaffender Komponist. Er lebt heute in Nieder-Roden bei Frankfurt am Main. Keiner Schule zuzuordnen, präsentiert Joneleits eigenwilliges, eruptives Schaffen in jedem Stück eine radikal individuelle Grundidee und Sprachform. Dabei gilt sein Interesse besonders größeren Formaten wie Musiktheater und Orchesterwerken, aber auch Kammermusik, Film und Hörspiel.
1997-2004 Auftragswerke von kleineren und mittleren Organisationen in den USA und Deutschland
2000 Uraufführung durch das Moskauer Sinfonieorchester
Leitung: Aleksej Kornienko
seit 2003 Zusammenarbeit mit Jazz-Legende Roscoe Mitchell (Art Ensemble of Chicago)
2004 Rückkehr nach Deutschland - Uraufführung durch das
hr-Sinfonieorchester - Leitung: Lucas Vis
2005 Erste Uraufführung durch das Ensemble Modern - Leitung: Franck Ollu
Kompositionsaufträge der BHF-Bank-Stiftung für die "Frankfurter Positionen", vom SWR für ein Orchesterwerk, von "Musik der Jahrhunderte" Stuttgart für Eclat 2007 für ein Musiktheaterwerk mit den Neuen Vocalsolisten Stuttgart und dem Ensemble Modern
2006 Eine weitere Uraufführung durch das Ensemble Modern - Leitung: Sian Edwards
Kompositionsaufträge der Münchener Biennale in Koproduktion mit der Oper Frankfurt für ein weiteres Musiktheaterwerk für 2008, vom Augsburger Mozartfest & der Deutschen Mozart Gesellschaft, Auftragskomposition des Jahres 2006 der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
Uraufführungen in München, Augsburg und in Stuttgart durch das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR - Leitung: Peter Hirsch
(Stand: 2006)

Werkliste

(Auswahl)
1997        Richtlot
elektro-akustische Klangfelder für Mehrkanalzuspielungen
Fünf Stücke
für vier Hörner
Streichquartett Nr. 5
Nur von der Erde
für Orchester
1998 il canto l'interno
für sechs Instrumente
umwolkt
für vier Tuben
Juraland
für Klavier solo
Splitterecho
für Violoncello und Ensemble
Weidengesang
für Orchester
Orbis
für Klavier und Zuspielung über Live-Radio
Randschnitte
für Klavier solo
1999 Akamba
Riten für vier Instrumente in verschiedenen Besetzungen
Streichquartett Nr. 6
suona profunda l'aperto ...
für Orchester und Zuspielungen
Schallrisse
für Orchester
... in Sicht
für Klaviertrio
Blüte und Verhängnis
für Gesang und Orchester
Texte: Albert von Schirnding
Abbild
für Violoncello solo
2000 ... im Nirgends
für Bassflöte, Violoncello und Klavier
Verwehte Pfade
für Gesang (Bass) und Streichquartett
Io sol uno 2°)
für fünf Instrumentalgruppen (elf Spieler)
... dell'aria immota ...
für Violine und Violoncello
2001 Fünf Impromptus
für Flöte und Harfe
... i più deserti campi ...
für Mezzosopran, Horn und Zuspielungen (mehrkanalig)
Text: Francesco Petrarca
Gestalt im Fluss
für Orchester
Übermalung
für Posaune und Harfe
2002 di altri spazi
für vier Instrumente
Tammuz
für Streichorchester
2002-05 ... von anderen Räumen ...
für Orchester
2003 Im Bann
für Orchester
2003-04 Le tout, le rien
für Ensemble (27 Spieler)
2004-05 Verve
für Ensemble und Zuspielungen (mehrkanalig)
2005 Marea
für vier Instrumente
2006 nah von fern
für Streichquartett
Élan
für kleines Ensemble (10 Spieler)
Beim Wort
für Bariton und Klavier
Text: Friedrich Hölderlin
(Stand: 2006)