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Sina Miranda

Erscheinungsjahr: 1997                       WER 6534 2 Bestellen

Helmut Oehring


Dokumentaroper
BITTE SAGEN SIE MIR IHREN NAMEN NOCH EINMAL, ICH HABE IHN BEI DER VORSTELLUNG NICHT DEUTLICH VERSTANDEN
(aus: Irrenoffensive)


 

Interpreten: Salome Kammer Stimme • Ulrike Zech Mezzosopran • Christina Schönfeld, Gerlinde Demel & Gabriela Arndt taubstumme Darstellerinnen • Torsten Ottersberg Live-Elektronik, Interaktion, Sampler, Zuspielband • Georg Morawietz Klangkonzeption, Realisation • Kammerensemble Neue Musik Berlin (Leitung: Roland Kluttig)


Zur Musik

 

"Meine Musiken kreisen um das Problem, dass Leute überhaupt Sprache und damit Beziehungen haben. Und sie ist Redaktion auf einen Mangel, Ersatz für Vermisstes, Ausfüllen einer Leere, Fixieren einer Losheit."

Helmut Oehring, Sohn gehörloser Eltern und als Musiker und Komponist in jeder Hinsicht Autodidakt: mit 15 auf der Gitarre begonnen, mit 17 Ausbildung zum Baufacharbeiter, danach Hausmeister, NVA-Dienstverweigerer, Küster, Friedhofsgärtner, Waldarbeiter, Heizer ..., mit 25 Noten gelernt, mit 29 Meisterschüler bei Georg Katzer an der Akademie der Künste zu Berlin, im gleichen Jahr den bedeutendsten Komponistenpreis der ehemaligen DDR (Hanns Eisler) für "Koma", ein Jahr später für das erste Orchesterstück den WDR-Preis, für die 3. Kammeroper den internationalen Orpheus-Preis ...

"Eigentlich hat alles damit begonnen, dass ich angefangen habe, Musik aufzuschreiben ... Plötzlich war da eine Möglichkeit ... Das hat damit zu tun, dass es für Gebärdensprache keine Schrift gibt."

Die "Dokumentaroper" entstand 1994, Anfang 1995 im Auftrag der Wittener Tage für neue Kammermusik und gehört zum Zyklus (aus: Irrenoffensive), der sämtliche Arbeiten mit Gehörlosen umfasst. Sie ist ein Dokument über das Scheitern von Sprache. Über die Grenzen von Kommunikation. Über die (Un-)Möglichkeit von Schrift. Und Musik.

Verstehen Sie? Die Körper, die nicht hören können. Verstehen Sie? Die Körper, die nicht sehen können.

Wo ist die Ohrenklinik? Wo ist die Augenklinik?

Ein Libretto existiert nicht, weder formal, noch inhaltlich. Es gibt keine Rollen, keine Dialoge, weder einen imaginären Schauplatz noch irgendwelche Handlungen.

Alles ist Szene. Aber die Szene ist nicht alles.

Wenn ich etwas dokumentiere, steht es für nichts. Nur für sich selbst.

In diesem Falle irrt Oehring. Oder ich.

Iris ter Schiphorst


Programm der CD

1         Dokumentaroper 48:52 anhören
BITTE SAGEN SIE MIR IHREN NAMEN NOCH EINMAL, ICH HABE IHN anhören
BEI DER VORSTELLUNG NICHT DEUTLICH VERSTANDEN anhören
(aus: Irrenoffensive) (1994/95)
Salome Kammer, Stimme - Ulrike Zech, Mezzosopran
Christina Schönfeld, Gerlinde Demel und
Gabriela Arndt, taubstumme Darstellerinnen
Torsten Ottersberg, Live-Elektronik, Interaktion, Sampler, Zuspielband
Georg Morawietz, Klangkonzeption, Realisation
Kammerensemble Neue Musik Berlin
Leitung: Roland Kluttig

Lebenslauf

1961        geboren in Berlin, Eltern gehörlos
1978-80 Ausbildung zum Baufacharbeiter, danach in verschiedenen Berufen tätig
seit 1984/85 intensive Beschäftigung mit komponierter Musik der Moderne; als Gitarrist und Komponist Autodidakt
1987 Konsultationen bei André Asriel und Helmut Zapf
1988 bei Georg Katzer und Friedrich Goldmann
1990-92 Meisterschüler an der Akademie der Künste zu Berlin bei Georg Katzer
1992 Preisträger beim "Forum junger Komponisten" des Westdeutschen Rundfunks Köln für "Coma" für Orchester
Preisträger beim 1. Internationalen Kompositionswettbewerb für Gitarre und Streicher (Berlin) für "Locked -in-"
1994 Kompositionsstipendium der Cité des Arts, Paris
1994/95 Stipendiat der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom
1996 Orpheus-Preis Italien für "Dokumentation I"
1997 Internationaler Plöner Hindemith-Preis für die bisherigen musikalischen Arbeiten
Oehring lebt in Berlin.
(Stand: 1997)

Werkliste

(Auswahl)
1987        Streichquartett
1988 Nr. 1 (aus: Koma)
Version für zwei Gitarren
1989 Nr. 3 (aus: Koma)
Version für Septett
1990 Nr. 1 (aus: Koma)
Version für 15 Instrumente
Nr. 2 (aus: Koma)
Rapid-Eye-Movement
für Klarinette, Kontrabass und Schlagzeug
Nr. 3 (aus: Koma)
Version für 15 Instrumente
1991 gestauchte WINKEL
für 5 Bläser
COMA l
für Orchester
1992 Locked -in-
für Gitarre, Violine, Viola und Cello
ASCHE
für Oboe, Englischhorn, Posaune, Schlagzeug, Klavier, Viola, Violoncello und Kontrabass
LOSHEIT
für Kontrabass-Duo auch Fassung für Violine und Cello
Nr. 2 (aus: Koma)
Rapid-Eye-Movement
Fassung für 15 Instrumente
1993 CAYABYAB
für Gitarre, Bassetthorn und Schlagzeug
auch Fassung für Violoncello, Bassklarinette und Schlagzeug
1993/95 Wrong
SCHAUKELN-ESSEN-SAFT
(aus: Irrenoffensive)
für Oboe, Posaune oder Trompete, Geige, E-Gitarre, Volumen-Pedal, Schlagzeug, Gebärdensprache und Live-Elektronik
1993/96 DOKUMENTATION I
Kammeroper; Text: Oehring
(GOGH s.m.p.)
1994 SELF-LIBERATOR
(aus: Irrenoffensive)
für 2 Taubstumme (Gebärdensprache/Lautsprache), Solotrompete und Ensemble; Text: Oehring
LEUCHTER
(aus: kurz im Müll gestochert)
für Oboe, Cello und präpariertes Klavier (tape ad lib.)
SUCK THE BRAIN OUT OF THE HEAD
für 6 Schlagzeuge und Band
Dokumentaroper
(aus: Irrenoffensive)
für 9 Instrumente, Stimme, Mezzosopran, 3 Gehörlose und Live-Elektronik; Text: Oehring
(GOGH s.m.p.)
1995 Einfache Dinge/IRIS:
für 15 Instrumente, Band und CDs
DAS D'AMATO-SYSTEM
Tanzoper in 15 Szenen
für 15 Instrumente, Sprecher, 2 Stimmen, 1 Gehörlose, 2 Tänzer und Live-Elektronik; Text: Oehring
(GOGH s.m.p.)
1996 4REAL
für Orgel solo
SEXTON A.
für Viola solo
POLAROIDS
Melodram (mit Iris ter Schiphorst)
für 1 Taubstummen, 1 Sopranisten, 12 Instrumente und Live-Elektronik; Text: ter Schiphorst/Oehring
DIENEL
(aus: kurz im Müll gestochert)
für Fagott, Kontrabass und Cembalo (Band ad lib.)
1997 ZUENDEL
(aus: kurz im Müll gestochert)
für Flöte, Oboe, Violine, Viola, Cello und präpariertes Klavier (Band ad lib.)
PRAE-SENZ (Ballet blanc II)
mit Iris ter Schiphorst
für Violine, Violoncello und Klavier/Sampler-Keyboard
LIVE (aus: Androgyn)
mit Iris ter Schiphorst
18 Songs nach dem Gedicht "live" von Anne Sexton
für Stimme, Violine, Violoncello, Klavier/Sampler-Keyboard und Live-Elektronik
Schauspielmusiken
1986 Die Jüdin von Toledo
(Feuchtwanger/lnszenierung: Lorenz)
1991 Im Dickicht der Städte
(Brecht/Inszenierung: Berghaus)
1995 Die heilige Johanna der Schlachfhöfe
(Brecht/Inszenierung: Berghaus)
(Stand: 1997)