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Gerardo Scheige
Sina Miranda

Erscheinungsjahr: 1996                         WER 6523 2 Bestellen

Hans-Jürgen von Bose

 

Symbolum 

... im Wind gesprochen

Labyrinth I

 

Interpreter:

Christoph Bossert Orgel • Junges Philharmonisches Orchester Stuttgart (Leitung: Manfred Schreier • Melanie Walz Sopran • Martin Hermann, Detlef Zywitz Sprecher • Markusvocalensemble • Neue Vocalisten Stuttgart


Zur Musik

 

Hans-Jürgen von Bose gehört zu einer Generation von deutschen Komponisten, die schon in der ersten Hälfte der siebziger Jahre eine Umkehr vollzogen. Sie strebten weg von der sich ständig steigernden Komplexität der Musik und komponierten gleichsam aus dem Bauch heraus. Empörter Protest war die Reaktion auf diese unerhörten Tendenzen, die man aber vorschnell und eilfertig zur Neuen Einfachheit erklärte, um sie zur allgemeinen Beruhigung der Öffentlichkeit irgendwo einordnen zu können. Auf die Neue Einfachheit folgte das Etikett Neoromantik; denn von Bose und seine Altersgenossen interessierten sich für Alban Berg, der unter den drei Wiener Dodekaphonisten - neben Schönberg und Webern - am deutlichsten, trotz reihentechnischer Tüfteleien, an der überströmenden Empfindung einer satten, warmen Harmonik festgehalten hatte. Von Berg war es nur ein kleiner Schritt zu Robert Schumann, dessen wuchernde Klangfiguren einmal zur kostbaren Miniatur, ein anderes Mal zur weit ausholenden Großform neigten.

Für von Bose konnte diese Haltung aber nicht das endgültige Ziel sein. Er sah sich um und lernte aus dem Schaffen von Bernd Alois Zimmermann, György Ligeti und Brian Ferneyhough. An Zimmermann schätzte und schätzt er immer noch den pluralistischen Ansatz, hatte doch gerade der Purismus des sich allem schon Existierenden zu verweigern in eine Sackgasse geführt. Ligeti wurde wichtig, weil er halb ernst, halb spielerisch immer nach neuen Wegen suchte. Die ungeheure Komplexität von Ferneyhough war ein weiteres Korrektiv gegen ein unbesorgtes Draufloskomponieren. Die Moderne aus dem Geist der Romantik neu zu schöpfen, blieb aber von Boses Ideal.

Theo Hirsbrunner


Programm der CD

1      Symbolum 22:15 anhören
für Orgel solo und großes Orchester (1985)
Christoph Bossert, Orgel - Junges Philharmonisches Orchester Stuttgart
Leitung: Manfred Schreier
... im Wind gesprochen 27:29
Geistliche Musik für Sopran solo, zwei Sprecher, gemischten Chor, Orgel und Kammerorchester auf Texte der Bibel und der Messe sowie vor Giordano Bruno, Sophokles/ Hölderlin, Nicolas Born, Rolf Dieter Brinkmann, Christoph Meckel und Hans Magnus Enzensberger (1984/85)
2 Teil I 07:11 anhören
3 Teil II 08:09 anhören
4 Teil III 12:08 anhören
Melanie Walz, Sopran - Martin Hermann, Detlef Zywitz, Sprecher
Markusvocalensemble - Neue Vocalisten Stuttgart
Christoph Bossert, Orgel - Junges Philharmonisches Orchester Stuttgart
Leitung: Manfred Schreier
5 Labyrinth I 28:10 anhören
für großes Orchester (1987)
Junges Philharmonisches Orchester Stuttgart
Leitung: Manfred Schreier

Lebenslauf

1953 Geboren am 24. Dezember in München
1969 Beginn seiner musikalischen Ausbildung an Dr. Hoch's Konservatorium in Frankfurt
1972 Studienbeginn an der Frankfurter Musikhochschule (Komposition bei Hans Ulrich Engelmann, Klavier bei Klaus Billing)
1975 Stipendien der Studienstiftung des Deutschen Volkes, der Heinrich-Strobel-Stiftung des Südwestfunks Baden-Baden und der Mozart-Stiftung Frankfurt am Main
1976 Erster Preis beim Kompositionswettbewerb "Sommerliche Musiktage Hitzacker"
1977 Auszeichnung mit dem Berliner Kunstpreis
1980 Stipendiat der Villa Massimo, Rom
1981 Verleihung des Kritikerpreises für Musik vom Verband der Deutschen Kritiker
1983 Förderpreis des Hessischen Kulturpreises
Förderpreis für Musik der Landeshauptstadt München
1984 2. Preis im International Rostrum of Composers für "Sappho-Gesänge"
1985 erneut Stipendiat der Villa Massimo, Rom
1986 Mitglied der Akademie der Künste Berlin
1987 Förderpreis der Landeshauptstadt Stuttgart
1988 Schneider-Schott-Musikpreis, Mainz
1989 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, München; Berufung in die Jury der ?Sommerlichen Musiktage Hitzacker"; Dozent bei den Weikersheimer Kursen ?Jugend komponiert"
1990 BMW-Musiktheaterpreis für die beste Opernpartitur ("63: Dream Palace")
1991 Prix de composition musicale de la Fondation Prince Pierre de Monaco für "63: Dream Palace"
1992 Austritt aus der Akademie der Künste Berlin
seit 1992 Professor für Komposition an der Staatlichen Hochschule für Musik in München
(Stand: 1996)

Werkliste

(Auswahl)
1972 Todesfuge
für Bariton, Chor und Orgel auf das Gedicht von Paul Celan
1973 Erstes Streichquartett
1974 Blutbund
Oper in einem Akt nach dem Schattenspiel von Ramón del Valle-lnclán
Deutsche Übersetzung von Walter Boehlich
1975 Das Diplom
Komische Oper in einem Akt nach der Komödie von Luigi Pirandello in der deutschen Übertragung von Georg Richert
1975 Threnos - Hommage à Bernd Alois Zimmermann
für Viola und Cello
1975 Morphogenesis
für großes Orchester
1975 Sonate
für Violine solo
1976 Erste Symphonie
für großes Orchester
1976 Fünf Kinderreime
aus des Knaben Wunderhorn
1976/77 Zweites Streichquartett
1977 Three Songs
for Tenor and Chamber Orchestra
1978 Streichtrio
1978 Musik für ein Haus voll Zeit
Variationen für großes Kammerorchester
1978 Travesties in a Sad Landscape
Variationen für Kammerorchester
1978/79 Solo für Cello
1979/80 Symphonisches Fragment
für Tenor-, Bariton- und Bass-Solo, gemischten Chor und Orchester auf Texte von Friedrich Hölderlin
1981 Die Nacht aus Blei
Kinetische Handlung in sechs Bildern nach Hans Henny Jahnn
1981/82 ... vom Wege abkommen
für Bratsche solo
1981/82 Guarda et conto
Vier Fragmente in drei Sätzen für Sopran und Streichquartett
Text: Miguel Angel Bustos
1982 Drei kleine Klavierstücke
1982 Sappho-Gesänge
für Mezzo-Sopran und Klavier (Faksimile)
1982/83 Idyllen
für Orchester
1983 Sappho-Gesänge
für Mezzo-Sopran und Kammerorchester
1983/84 Die Leiden des jungen Werthers
Lyrische Szenen nach J.W. von Goethe in zwei Teilen und einem Intermezzo
Text von Filippo Sanjust und Hans-Jürgen von Bose
1984 Parerga zu der Oper Die Leiden des jungen Werthers
für 10 Instrumente
1984/85 ... im Wind gesprochen
Geistliche Musik für Sopran solo, zwei Sprecher, gemischten Chor, Orgel und Kammerorchester
auf Texte der Bibel und der Messe sowie von Giordano Bruno, Sophokles/Hölderlin, Nicolas Born, Rolf Dieter Brinkmann, Christoph Meckel und Hans Magnus Enzensberger
1985 Sonnet XLII William Shakespeare
1985 Symbolum
für Orgel solo und großes Orchester
1986 Fünf Gesänge
für Bariton und zehn Instrumente nach Gedichten von Federico Garcia Lorca
1986 Drei Studien
für Violine und Klavier
1986 Karfreitags-Sonett
für 4-stimmigen gemischten Chor a cappella
1986/87 Drittes Streichquartett
1987 Labyrinth l
für großes Orchester
1987 Labyrinth II
für Klavier
1987/88 Prozess
für Kammerorchester
1988 Sechs deutsche Volkslieder
für Bariton und acht Instrumente
1988 Vier Lieder
für Sopran und zehn Instrumente
1988 Für Greenpeace
nach Gedichten von Georg Britting und Hans Magnus Enzensberger
1988 Werther-Szenen
Ballett in zwei Teilen und einem Zwischenspiel
1990 Variationen
für Streichorchester (Neufassung)
1988 63: Dream Palace - Traumpalast 63
Oper nach einer Novelle von James Purdy.
Textbuch und deutsche Fassung von Hans-Jürgen von Bose
1990/91 Love after Love
Gesang für Sopran und Orchester auf ein Gedicht von Derek Walcott
1991 Concertino per il H.W.H.
für Kammerorchester
1991 Origami
zwei Episoden für Klavier zu vier Händen
1991 In hora mortis
für Sprecher und Streichorchester auf Gedichte von Thomas Bernhard
1991 Ein Brudermord
nach Franz Kafka
für Bariton, Akkordeon, Violoncello und Tonband
1991 Scene
für Kammerorchester
1992/93 Medea-Fragment
nach H.H. Jahnn
1994/95 Schlachthof V
Oper nach dem Roman von Kurt Vonnegut
1995 Salut für Billy Pilgrim
Konzert für Klavier und Orchester
1996 4. Quartett
für zwei Violinen, Viola und Violoncello mit Sampler, auf Texte von Franz Kafka
(Stand: 1996)