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Gerardo Scheige
Sina Miranda

Erscheinungsjahr: 1994                      WER 6522 2 vergriffen

Detlev Glanert


Sinfonie Nr. 1 op. 6

Vier Fantasien op. 5

Mahler/ Skizze für Ensemble op. 20

Drei Gesänge aus "Carmen" von Wolf Wondratschek (Sinfonie Nr. 2) op. 21

Interpreten:

BBC Scottish Symphony Orchestra Glasgow (Leitung: Markus Stenz) • Alan Marks, Klavier • London Sinfonietta (Leitung: Oliver Knussen) • Andreas Scheibner, Bariton • Münchner Philharmoniker (Leitung: Paul Daniel)


Zur Musik

 

Es hat mal jemand behauptet, die Musik ließe sich unterscheiden in Kopf-, Herz- und Bauchmusik. Darf ich in Anspruch nehmen, alle drei zu wollen? - Detlev Glanert

Nicht die terra incognita bislang unerforschter Gebiete sind das Ziel von Glanerts kompositorischer Arbeit, sondern die Bereiche, welche gleichsam permanent vor unseren Augen liegen - Landschaften, deren Poesie wir aufgrund einer Gewöhnung kaum mehr wahrzunehmen in der Lage sind. Es geht um das Aufbrechen der Verkrustungen, die sich um die Traditionen gelegt haben, damit uns Vertrautes plötzlich fremdartig gegenübertritt. Glanerts Verhältnis zur Tradition ist weder ein konservierendes noch ein negierendes, sondern eines, das durch die Entwicklung ungewöhnlicher Perspektiven auch im historisch Beschädigten einen Funken jener uneingelösten Utopien zu retten versucht, welche zusammen mit dem geschichtlich gewordenen Material einer bloß noch verrinnenden Zeit zum Opfer zu fallen drohen ...

Glanert ist Klang-Magier, der aus der Künstlichkeit seiner Gebilde keinen Hehl macht. Wir wissen und werden sogar noch darauf hingewiesen, dass hinter dem Zauber eine ganz und gar unromantische Maschinerie und ein solides Handwerk wirksam sind. Und dennoch lassen wir uns gern verzaubern und fühlen uns dabei nicht einmal betrogen. Denn hier liegt der Freiraum, wo die Fremdheit des Vertrauten an Bedrohlichkeit verliert, wo sich Realität und Fantasie vereinigen, wo wir unserer Verrücktheit gewahr werden, in der Welt leben zu können, die uns immer rätselhaft bleiben wird und trotzdem Heimat ist.

Klaus Angermann


Programm der CD

1      Sinfonie Nr. 1 op. 6 19:44 anhören
für großes Orchester (1984/85)
BBC Scottish Symphony Orchestra Glasgow
Leitung: Markus Stenz
Vier Fantasien op. 5 17:36
für Klavier (1987/88)
2 I 02:58 anhören
3 II 05:31 anhören
4 III 03:59 anhören
5 IV 05:26 anhören
Alan Marks, Klavier
6 Mahler/ Skizze für Ensemble op. 20 (1989) 09:15 anhören
London Sinfonietta - Leitung: Oliver Knussen
Drei Gesänge aus "Carmen" von Wolf Wondratschek (Sinfonie Nr. 2) op. 21
für Bariton und großes Orchester (1989/90) 29:14
7 I 08:42 anhören
8 II 07:19 anhören
9 III 13:11 anhören
Andreas Scheibner, Bariton - Münchner Philharmoniker
Leitung: Paul Daniel

Lebenslauf

 

Detlev Glanert wurde 1960 in Hamburg geboren. Im Alter von zwölf Jahren unternahm er erste Kompositionsversuche und erhielt den ersten Instrumentalunterricht. Er studierte Komposition und Musiktheorie bei Diether de la Motte, Günther Friedrichs und Frank Michael Beyer sowie vier Jahre bei Hans Werner Henze in Köln. Er lebt seit 1987 in Berlin.

1985 wurde im Rahmen des "Forums junger Komponisten" seine Sinfonie Nr. 1 vom Berliner Philharmonischen Orchester uraufgeführt. 1986 erhielt Glanert eine Einladung zu den Sommerkursen nach Tanglewood/USA, wo er mit Oliver Knussen arbeitete. 1987 folgte das Bachpreis-Stipendium der Hansestadt Hamburg und 1988 ein Aufenthaltsstipendium in Istanbul durch den Berliner Senat. Ebenfalls 1988 erhielt er ein Förderstipendium des Rolf-Liebermann-Opernpreises. Seit 1989 arbeitet er an dem von Hans Werner Henze gegründeten "Cantiere Internazionale d'Arte" in Montepulciano. 1990 folgte ein Kompositionsstipendium des Berliner Senats, 1992/93 war Glanert Gast der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom. 1993 erhielt er den Rolf-Liebermann-Preis für die Oper "Der Spiegel des großen Kaisers" zugesprochen.

(Stand: 1994)


Werkliste

(Auswahl)
Musiktheater
1985 Leviathan op. 10
Kammeroper nach Thornton Wilder, deutsch von Herbert Herlitschka
für 3 Sänger und 9 Instrumentalisten
1987/88 Leyla und Medjnun op. 16
Märchen für Musik von Aras Oren und Peter Schneider
für 9 Sänger, 1 Schauspieler und 14 Instrumentalisten
1989/93 Der Spiegel des großen Kaisers op. 24
Oper in zwei Akten
Libretto von Detlev Glanert und Ulfert Becker, frei nach der Novelle von Arnold Zweig
für 9 Sänger, 56 Instrumentalisten und Tonbänder
Orchesterwerke
1983/89 Die Parke op. 3
Orchesterlieder nach Rilke
für Sopran und mittleres Orchester
1985 Sinfonie Nr. 1 op. 6
für großes Orchester
1986 Aufbruch für Orchester op. 11
für mittleres Orchester
1988 Mitternachtstanz op. 17
für Pauken und Streicher
1988/90 Drei Gesänge aus "Carmen" von Wolf Wondratschek (Sinfonie Nr. 2) op. 21
für Bariton und großes Orchester
1991 Parergon op. 23
zur Oper "Der Spiegel des großen Kaisers" für Orchester
1992 Mitternachtstanz op. 17a
Konzert für Pauken und Streicher
1993/94 Konzert op. 27
für Klavier und Orchester
Kammermusik
1981 3 Stücke op. 1
für Viola und Klavier
1982 Sonate op. 5
für Violine und Klavier
1985 Kammersinfonie op. 7
für 9 Instrumentalisten
1985 Norden. Fünf Bilder für Ensemble op. 9
für 7 Instrumentalisten
1986 Vier Quartette op. 12
für 4 Kontrabässe (Violoncelli)
1986 Serenade op. 13
für Violoncello und Klavier
1984/86 Streichquartett Nr. 1 op.14
1989 Yakub iki - Zeit des Wartens op. 18
für Violine, Violoncello, Klavier und Klarinette
1989 Mahler/Skizze op. 20
für 13 Instrumentalisten
1990 Passacaglia op. 16a
aus "Leyla und Medjnun"
für 13 Instrumentalisten
1991 Vier Lieder nach Graffiti-Texten für Ensemble op. 25
für Sopran und 3 Instrumentalisten
1992 Drei Sonette
nach Gedichten von Wolf Wondratschek
für Bariton und Gitarre op. 22
für Bariton und Klavier op. 22a
1992 "Contemplated by a Portrait of a Divine" op. 26
Kantate nach einem Gedicht von Jo Shapcott
für Sopran und 5 Instrumentalisten
Solowerke
1987 Vier Fantasien für Klavier op. 15
1992 Mitternachtstanz op. 17b
Kadenz für Pauken solo
1994 Paralimpomena nach Novalis op. 28
für Gitarre solo
(Stand: 1994)